„Finanzieller Blindflug“ – Jahresabschlüsse der Stadt mit bis zu 4 Jahren Verspätung

Pyrmonter Nachrichten vom 23.10.2012

Vorgestern nahmen die Pyrmonter Nachrichten nochmal Bezug auf die letzte Ratssitzung und griffen meine Kritik an der sehr verspäteten Erstellung der Jahresabschlüsse 2008 und 2009 auf. Und was da geschrieben steht, klingt erst mal nicht so schmeichelhaft für mich.

Ich versuche immer, vergangene Ereignisse zu reflektieren und meine Lehren daraus zu ziehen: Ganz offensichtlich ist es mir diesmal nicht gelungen, meinen Kritikpunkt überzeugend zu setzen, wie mir die Darstellung durch PN-Redakteur Kilian, den ich mittlerweile als sehr differenzierenden Journalisten schätzen gelernt habe, zeigt.

Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass es keine Entschuldigung für einen solchen zeitlichen Verzug geben kann. Nicht nur jedes Unternehmen muss seinen Jahresabschluss im Laufe des Folgejahres vorlegen, auch jeder Berufstätige muss eine Steuererklärung im gleichen zeitlichen Rahmen erstellen.

Offensichtlich hätte ich auf die Erwiderungen von Herrn Watermann und vor allem von Frau Roeder selbst nochmal erwidern müssen, um den Eindruck zu vermeiden, dass mich deren Ausführungen überzeugt hätten; denn dies ist offensichtlich so rübergekommen.

Aber gerade weil dies überhaupt nicht der Fall war, habe ich davon abgesehen:
Was hat die Tatsache, dass für eine Gemeinde das Niedersächsische Kommunalabgabengesetz Anwendung findet und nicht das Handelsgesetzbuch mit der Tatsache zu tun, dass man sich einen 4 Jahre alten Jahresabschluss gleich ganz sparen kann?! Jede Möglichkeit, auf Basis der jeweiligen Ergebnisse in die eine oder die andere Richtung (gegen-)zusteuern, ist bis dahin doch unwiederbringlich dahin…

Dieses Argument war für mich so offensichtlich eine „Nebelkerze“, die nur dazu dienen sollte, vom begründeten Kritikpunkt abzulenken, wie auch der Standpunkt, der – von mir übrigens sehr geschätzte – Kämmerer hätte jederzeit über den finanziellen Status Bescheid gewusst und von einem „Blindflug“ könne deshalb nicht die Rede sein.

Dass Herr Weber diesen Überblick jederzeit hatte, bezweifle ich nicht im Geringsten. Nur ist ein Auto trotz kaputten Tachos auch dann nicht verkehrssicher, wenn der Fahrer durch große Routine die Geschwindigkeit auch so gut einschätzen kann!

Die ebenfalls ins Feld geführten personellen Schwierigkeiten sind allen mit dem Thema vertrauten Personen bekannt und werden auch von mir als enorme Erschwernis anerkannt. Wie übrigens auch die Tatsache, dass die Umstellung von der kameralistischen auf die doppelte Buchführung eine große Herausforderung für die handelnden Personen war.

Eine Entschuldigung können sie dennoch nicht sein: Wie ich oben schon sagte, muss jedes Unternehmen und auch jeder Privatmann seiner Berichtspflicht fristgerecht nachkommen. Dass Verlängerungen oder gar Unterstützungen aufgrund veränderter Anforderungen gewährt wurden, habe ich noch nicht erlebt; und die bürokratischen Anforderungen haben sich in den vergangenen Jahren auch für Unternehmen enorm erhöht!

Mir wurde vorgeworfen, ich sei kein Experte für das NKAG. Zugegebenermaßen bin ich überhaupt kein Rechnungswesenexperte, sondern beschäftige mich mit diesem Thema so, wie es als Geschäftsführer unseres Familienunternehmens meine Pflicht ist.

Vielmehr sehe ich meinen fachlichen Schwerpunkt im Marketing und vor allem in der Steuerung von Organisationen – und gerade dort setzt meine Kritik an:
Wie das Beispiel der verspäteten Jahresabschlüsse zeigt, gelingt es Frau Roeder nicht, die Stadtverwaltung effizient zu führen und damit die Grundlage für eine zukunftsgerichtete Strategie für „das Produkt“ Bad Pyrmont zu schaffen!

Da diese Kritikpunkte offensichtlich nicht ausreichend von mir herausgearbeitet wurden und zudem durch mein Nicht-Erwidern auf den Redebeitrag von Frau Roeder der falsche Eindruck entstanden ist, das ich diesem zustimme, möchte ich mich nun an dieser Stelle gegen die unsachliche Zurechtweisung durch unsere Hauptverwaltungsbeamtin verwahren. Ich sehe es als gewähltes Ratsmitglied nicht als „Unverschämtheit“ an, Transparenz und Effizienz von der Verwaltung zu fordern und auf diese Missstände hinzuweisen, sondern als ganz normale Verpflichtung gegenüber meinen Wählern.

 

Radiobeitrag:

      Wie schnell muss eine Jahresrechnung vorliegen?